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Österreichischer Film ist Vielfalt & Sorgfalt! - Olga Kosanović im Gespräch
Olga Kosanović wurde 1995 in Wien geboren und wuchs in einer serbisch-österreichischen Familie auf. Ihre Ausbildung schloss sie an der HFBK Hamburg bei Angela Schanelec ab. Sie ist außerdem Absolventin der Graphischen und der Schule für unabhängigen Film „Friedl Kubelka“ in Wien. Bereits mit ihren Kurzfilmen GENOSSE TITO, ICH ERBE und LAND DER BERGE – die beide mit dem Österreichischen Filmpreis ausgezeichnet wurden und als Kurzfilmprogramm bei uns verfügbar sind – machte die Regisseurin auf sich aufmerksam. In ihrem ersten Langfilm NOCH LANGE KEINE LIPIZZANER beschäftigt sich Olga Kosanovic mit einer Frage, die zugleich persönlich und politisch ist. Ausgehend von ihrer eigenen Geschichte erzählt die Regisseurin von Staatsbürgerschaft, Herkunft und Identität. Der Film wurde heuer ebenfalls mit dem Österreichischen Filmpreis ausgezeichnet.
Hier findet ihr Olgas kuratiertes Programm mit ihren liebsten Filmen aus dem KINO VOD CLUB.
Die erste Frage vorab: Hast Du mittlerweile die österreichische Staatsbürgerschaft?
Ich hab’ sie noch immer nicht, die Sache hängt gerade an den serbischen Behörden – dort muss ich nämlich (leider) noch austreten, erst dann kann die österreichische verliehen werden. Es bleibt spannend.
In NOCH LANGE KEINE LIPIZZANER vermischst du persönliche Erfahrungen, dokumentarische Beobachtungen, Interviews und inszenierte Elemente. Wie hast du entschieden, wann du dokumentarisch bleibst und wann du die Realität bewusst inszenierst oder überhöhst?
Das ist eine gute Frage. Ich glaube ja, dass bei dieser Thematik Fiktion und Realität ganz nah beieinander liegen – jeder Staat muss sich seine eigene Inszenierung überlegen, um ein Zugehörigkeits-Gefühl zu erzeugen. Sei’s durch Geschichten, Symbole, Rituale, Feiertage oder aber auch zum Beispiel durch den tatsächlichen Akt der Einbürgerung. Viele der Szenen und auch der Absurditäten habe ich also nicht groß neu erfinden müssen, vielmehr hat sie in dem Fall Österreich selbst geschrieben, mit seinen Gesetzen und Auslegungen. Die dokumentarische Härte ist aber genauso wichtig, da mir die Tragweite des Themas sehr am Herzen liegt und es wichtig ist zu verstehen, dass da sehr viele echte Menschen und ihre Leben betroffen sind. Für andere Elemente war wiederum ein kleiner Ausflug in ein Gedankenexperiment reizvoll und hat auch zu den verspielteren Elementen und Szenen geführt. Schließlich sollte der Film ja auch Spaß machen dürfen, trotz des eigentlich schweren Themas.
Humor spielt trotz des ernsten Themas eine große Rolle. War der Humor für dich von Anfang an Teil des Konzepts oder hat er sich erst im Laufe der Arbeit entwickelt?
Es war immer ganz klar und wichtig, dass wir das Thema mit einer gewissen Leichtigkeit angehen und verspielt erzählen wollen. Ich glaube schon, dass sich durch Humor vieles leichter ertragen lässt und dieser im Idealfall händereichend zugänglich macht, was möglicherweise unerträglich oder unmöglich erscheinen mag.
Der Film basiert stark auf deiner eigenen Geschichte. Wie schwierig war es, aus einer sehr persönlichen Erfahrung einen Film zu machen und dabei gleichzeitig genügend Distanz zu deinem eigenen Erleben zu behalten?
Das wäre nicht möglich gewesen, hätte ich nicht so ein wundervolles Team um mich gehabt, das mich immer wieder ermutigt hat diese eigene Geschichte zu erzählen.
Schon in LAND DER BERGE beschäftigst du dich mit Fragen von Herkunft, Identität und dem österreichischen Selbstbild. Was hat sich an deinem Blick auf diese Themen zwischen den beiden Filmen verändert?
Positiv beeindruckt hat mich die neue Generation an jungen Leuten, die ich für NOCH LANGE KEINE LIPIZZANER interviewt habe, die mit einer ganz anderen Selbstverständlichkeit Mehrfach-Zugehörigkeiten artikulieren und leben. Das finde ich großartig. Über die österreichische Seele habe ich wiedereinmal gelernt, dass sie wahnsinnig widersprüchlich ist und der klassische Österreicher eigentlich auch wahnsinnig viele Widersprüche aushalten kann.
Du hast mit GENOSSE TITO, ICH ERBE und LAND DER BERGE bereits sehr unterschiedliche Formen ausprobiert. Was hast du aus diesen früheren Arbeiten für deinen ersten Langfilm mitgenommen – und was wolltest du diesmal bewusst anders machen?
Ich glaube, dass jede Geschichte ihre eigene Form und Erzählweise braucht. Die Erfahrung von den beiden Kurzfilmen hat mich ermutigt, frei von dogmatischen Vorstellungen an der formale Herangehensweise von NOCH LANGE KEINE LIPIZZANER zu denken und zu arbeiten.
Gibt es ein neues Projekt, an dem du arbeitest?
Die Projekt-Ideen-Maschine schläft nie!
Vielen Dank, Olga!
Olga Kosanović hat uns auch ihre liebsten Filme aus dem KINO VOD CLUB vorgestellt. Hier geht’s zur Kuratierung.
Dernière in Anwesenheit des Filmteams: 17.9.2026, 20h Gartenbaukino Wien